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Über alle Strenge

"Ich mag das ja nicht wenn sowas so luschig gemacht wird. Kinder brauchen Strenge!"

 

sprach die Bekannte. Viele sind der Meinung Kinder lernen zum Beispiel besonders gut bei strengen LehrerInnen, weil sie dann fokussiert sind, sich auf das wesentliche konzentrieren und nicht abgelenkt werden. 

 

Was bedeutet "Strenge"? 

Es bedeutet nichts anderes als Druck von außen. Strenge setzt die Grundannahme voraus, das Menschen nicht aus freien Stücken lernen, sondern in eine Richtung, nennen wir es freundlich, geschoben werden müssen um einen Lernerfolg zu erzielen. Strenge bedeutet immer Überwachung und Strafe bei nicht erfüllen. 

Das heißt, ich gehe davon aus, dass mein Kind sobald ich mich umdrehe und den Raum verlasse, die Kooperation mit mir einstellt. Ich gehe zum Beispiel davon aus, dass Hausaufgaben nicht gemacht werden, wenn ich sie nicht kontrolliere. Deswegen stelle ich das "nicht Hausaufgaben machen" schon mal vorab unter Strafe, wie zum Beispiel Fernseh-Verbot.

 

Was macht das mit meinem Kind?

Diese Vorannahme sagt dem Kind "Ich vertraue dir nicht. Ich muss dich kontrollieren, damit du funktionierst!"

Wir nehmen dem Kind damit den inneren Motor, wir schalten ihn ab. Wir sagen dem Kind "ohne Strafe oder Belohnung tust du es ja eh nicht." und genau das wird dann auch passieren. Die Kinder vertrauen uns. Wenn wir ihnen immer wieder sagen, dass sie ohne Druck von außen "faul sind - nichts tun - versagen" werden sie dies auch tun. 

 

Was kann ich stattdessen tun?

 

Erklären. 

Warum ist es mir wichtig, das mein Kind bestimmte Dinge tut? Was möchte ich damit erreichen? Wo stehe ich selbst? Wenn ich selbst nicht weiß wo ich stehe und was meine Erwartungen und Wünsche sind, kann ich es auch dem Kind nicht vermitteln.

Wenn ich klar mit mir selbst bin, kann auch mein Kind es verstehen. 

 

Vertrauen.

Unsere Kinder haben einen inneren Motor. Der wird durch unterschiedliche Dinge angetrieben, sei es Wissensdurst, Ehrgeiz, Neugier oder oder oder. Wenn wir auf unsere Kinder Vertrauen und sie nicht aus Angst oder Egoismus blockieren, können sie diese Energie nutzen. 

 

Verantwortung geben.

Bei vielen Dingen nehmen wir unseren Kindern die Verantwortung ab, die sie eigentlich bräuchten. Wir schicken sie nach Uhrzeit aufs Töpfchen, packen Schultaschen, legen Kleidung raus und kontrollieren  Hausaufgaben. Eltern begleiten ihre Kinder bei der Anmeldung zur Uni oder zum Bewerbungsgespräch, weil sie davon ausgehen, dass ihre Kinder dies nicht alleine bewältigen können. Wenn wir unseren Kindern alle Verantwortung abnehmen, können sie später nicht für sich selbst einstehen. Sie kennen die Konsequenzen ihrer Handlungen nicht (wenn niemand meine Wäsche in die Maschine tut, werde ich irgendwann Nackt oder müffelnd raus gehen müssen, ohne Hausaufgaben werde ich schlecht benotet, gehe ich nicht pünktlich zum Bus ist der weg)

Besser: Altersgerecht Selber machen lassen und helfen, wenn Hilfe erwünscht ist. 

 

Kinder müssen Konsequenzen kennen lernen und zwar die, die das Leben so oder so bietet. Wir müssen weder lieblos sein, noch willkürliche Strafen setzen. Das Leben selbst ist schon Streng genug mit ihnen.