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Dank doch mal nach!

"Hast du auch Danke gesagt?" 

 

Diesen Satz habe ich schon so unendlich oft gehört. Fast immer wenn ein Kind etwas bekommt wird es umgehend dazu aufgefordert sich verbal zu bedanken. Es wirkt höflich, ist eine gesellschaftlichen Konvention. Und doch möchte ich euch dazu auffordern genau diesen Satz aus eurem Wortschatz zu streichen. 

 

Kinder die sich ehrlich über etwas freuen bedanken sich immer. Die Augen strahlen, sie lächeln uns an oder betrachten das was sie bekommen haben ausführlich. Wie wundervoll ist es ein freudiges Kind zu beobachten, das sich mit der für mich nutzlosen Stickertüte des Supermarkts beschäftigt und mit jeder Faser seines Körpers schon überlegt wann es diese wohl aufkleben darf. Was für ein großartiges Dankeschön. Brauche ich da wirklich noch ein Wort um diese offensichtliche Begeisterung nochmals zu bestätigen?

 

Ich sage klar "NÖ!" 

 

Kinder spiegeln die meiste Zeit unser Verhalten. Sagen wir der Kassiererin im Supermarkt nicht danke oder dem Kellner der uns unser Essen bringt, wird unser Kind das höchstwahrscheinlich auch nicht tun. Da können wir unserem Kind das "Sag doch mal Danke" noch500 Mal vorsagen. Wenn ich erwarte, das meine Kinder freundlich sind, muss ich selbst auch freundlich sein. Und das am besten von Herzen. Ein Danke, weil ich es so meine ist nämlich 1000 Mal mehr wert als jedes reflexartig runtergebetetes. Zusätzlich bringen wir ungewollt unsere Kinder ganz oft in einen Konflikt, denn

 

Kinder sollen nicht lügen!

 

zumindest wünschen wir uns das doch. Das immer ehrliche Kind. Blöd nur, wenn das Kind Tante Elfriedes selbstgehäkelten Pulli ganz scheußlich findet. Selbst das gehorsamste Kind kommt in dem Moment in einen Konflikt.

Sage ich "oh, wie schön!" ist das knallhart gelogen - das darf ich nicht!

Sage ich "oh wow, wie hässlich!" ist das kein braves Danke, das darf ich auch nicht.

Da platzt selbst manchen Erwachsenen der Kopf.

 

Was tun? 

 

Nun, erstmal sollte uns bewusst sein, das wir durchaus wünschen, dass unsere Kinder manchmal lügen. Denn es gibt "schützende Lügen" , die vor seelischen Verletzungen schützen, Notlügen, die wir raushauen um die Überraschungsparty nicht zu verraten oder weil wir aus Selbstschutz nicht sagen wollen, dass wir nicht auf die Party möchten um uns nicht erklären zu müssen.

Du sollst nicht lügen könnt ihr also auch aus eurem Wortschatz streichen.

(ich werde euch an anderer Stelle nochmal ausführlich von Guten und Schlechten Lügen erzählen)

 

Wenn wir also Höflichkeit nicht vorleben und von unseren Kindern dann auch noch erwarten, dass sie nicht Lügen sollen fehlt jegliche Orientierung für ihr späteres Leben.

 

Besser etwas weniger dogmatisch sein. Das wenigste im Leben ist schwarz oder weiß, gut oder böse. Ihr seid die Orientierung für eure Kinder, die Leitwölfe, wie Jesper Juul so schön schrieb. Lebt euren Kindern Höflichkeit bewusst vor, reflektiert euch selbst doch mal nach z.b. einem Einkauf. Habe ich der Kassiererin "Hallo, Tschüss, Bitte, Danke" gesagt oder dem Verkäufer, der mir den richtigen Gang gezeigt hat? Habe ich dabei gelächelt? 

Und wartet auch einfach mal ab, nicht jedes Danke kommt sofort. Manchmal dauert es auch einen Moment und kommt 2 Sätze später, oder 2 Tage später und manchmal auch gar nicht und auch das ist kein Beinbruch. Denn manchmal sagt das Nonverbale Augenleuchten doch viel mehr als tausend Dankschön der Welt.